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Tagebuch - Deutsche Erinnerungen
Gedanken zu Stalingrad – eine Antwort an Herrn Rohmeier
Lieber Heino, Deine Gedanken zu Stalingrad bewegen mich die ganze Woche. Ich mag sie nicht kommentieren – dazu empfinde ich viel zu viel eigene Betroffenheit. Meine Gedanken gehen zurück in den Sommer 1943. Der Unteroffizier Heinrich Irle hat Fronturlaub. Als Folge des Fronturlaubs wird im April 1944 sein Sohn Achim geboren.
Es war einmal...
... so beginnen die meisten Märchen, die den Kindern erzählt werden. Sie sollen spannend und erlebnisreich sein, aber auch die Wirklichkeit widerspiegeln. Die Basis dazu bilden oft die Erfahrungen und Erlebnisse der Geschichten- und Märchenerzähler. Ein großes Erlebnis war für mich der Abschluss der Lehre und kurz danach die Musterung zur damaligen faschistischen Wehrmacht; die Einstufung zur Infanterie-Division nach Butzbach, Land Hessen, kam über Nacht.
Dr. Rudolf Fehlauer erzählt
Bereits am 5.Juli 1944 geriet ich (*1922) als Kompanieführer in russische Kriegsgefangenschaft. Zunächst war ich im Offizierslager Grjasowetz, und bei Kriegsende bereits ein erfahrener wojna plenny.
Unter der Besatzung der Russen
Mein Name ist Jennie Gullnick und ich bin 24 Jahre alt. Ich möchte etwas über meinen Opa erzählen. Da er zu Kriegszeiten erst 12 Jahre alt war, musste er Gott sei Dank nicht an die Front. Während sein Vater kämpfte, ist mein Opa mit seinen Geschwistern bei seiner Mutter aufgewachsen. Als Deutschland kapitulierte, wussten alle, dass die Russen bald kommen werden, da die polnische Grenze in der Nähe ist. Einerseits waren alle froh, dass der Krieg vorbei war...
Die Tragödie vom 11. Mai 1944 vor Sewastopol - Walter Bien erinnert sich
Aufgrund meiner Freiwilligenmeldung wurde ich am 01.10.1942 im Alter von 18 Jahren zur Kriegsmarine eingezogen. Die Grundausbildung erfolgte in Rosendaal/Holland bei der 16. Schiffsstammabteilung. Hier wurde mir bei der 2. Untersuchung nach 6 Wochen dann auch mitgeteilt: "Sie fahren zur See." Eigentlich hatte ich mich zur Marine-Artillerie gemeldet; aber das Sehvermögen A ließ das nicht zu. Nach der Grundausbildung erhielt ich den Marschbefehl nach Rostock zur 28. Minensuchabteilung. In Rostock war gerade ein neues Schiff in Dienst gestellt, das aber bereits bei der Probefahrt im Nebel mit einem Kümo (Küstenmotorschiff) kollidierte. So erlebte ich außer der Rettungsaktion bei Windstärke 7 im Rettungsboot keinen weiteren Einsatz.
Erinnern, um zu verstehen
Wie es damals war - das berichten auf diesen Seiten vor allem russische Zeit- und Augenzeugen - und ihre Kinder und Enkel. Sie vermitteln, welche Spuren der Krieg bis heute in den Köpfen der russischen Menschen hinterlassen hat. Hier soll aber auch Platz für deutsche Erinnerungen sein, die wir mit Hilfe unserer russischen Partner nach Russland vermitteln wollen. Schreiben Sie uns Ihre Erinnerungen ! An dieser Stelle sollen sie fortlaufend veröffentlich werden.
Heino Rohmeier: Meine Gedanken zu Stalingrad
I.
Stalingrad – der Name verbindet uns Deutsche mit viel Trauer und Schmerz. Trauer und Schmerz darüber, was wir als Deutsche unschuldigen russischen Menschen angetan haben, aber auch Schmerz über den Verlust tausender deutscher Soldaten, gefallen in einem aussichtslosen Kampf – zum sinnlosen Sterben verurteilt.

Zur Flucht in die Schweiz verholfen
Ich bin 54 Jahre alt und die Geschichte, die ich erzählen möchte über die Vergangenheit, habe ich von meinem eigenen Großvater mütterlicherseits. Mein Großvater war während des Zweiten Weltkrieges Lokführer und hatte dadurch die Möglichkeit, Menschen zur Flucht zu verhelfen.
Frank Flemming, Berlin: Eine Episode der Menschlichkeit
Neun Jahre alt war ich, als der zweite Weltkrieg endlich zu Ende war. Meine Tante, meine Mutter und ich – Vater war 1945 in Wittenberg/Lutherstadt noch gefallen – bewohnten in Wittenberg am Stadtrand ein eingeschossiges Zweifamilienhaus. Da sich meine geschrumpfte Familie auf der Flucht vor den Russen befand (denn es wurden Gerüchte laut, dass die einmarschierenden Russen Kindern die Nasen abschneiden und sich anderweitig negativ verhalten würden) verließen wir Wittenberg in Richtung Gräfenhainchen, wo sich die Amerikaner befanden.
Der Krieg vergiftet die Berliner Luft - Jutta Petenati (75) erinnert sich
Der Krieg vergiftet die Berliner Luft. Es stinkt nach Silvesterschwefel, Ziegelstaub und verbrannten Balken, wenn Jutta und Uschi durch den Geschützdonner zum Dienst huschen. Im Ratskeller des Berliner Rathauses liegen verwundete Soldaten, die beiden 16-jährigen Mädchen sind als Hilfsschwestern eingeteilt.
Die Kinder sammelten Granatsplitter statt Zinnsoldaten - Waltraud Süßmilch (74) erinnert sich
April 1945, die letzte große Schlacht tobt in Berlin. Tausende haben sich in den Bunker am Anhalter Bahnhof gerettet doch dann flutet die Wehrmacht den Untergrund. Die Eingepferchten müssen durch die S-Bahn-Tunnel um ihr Leben laufen. Waltraud Süßmilch (74) war eine von ihnen. Es ist eine Zeit, in der Kinder statt Zinnsoldaten Granatsplitter sammeln und Todesgeschwader anhand ihrer Motorengeräusche in Flugzeugtypen sortieren. Es ist das Berlin des Untergangs, April 1945, die letzten Tage.

Briefe an die Ostfront und von der Ostfront
Stettin, den 10. März 1942 Mein liebster Freund, meine guter Kamerad! Zu Deinem Schreiben vom 7.3., acht Seiten lang, habe ich Dir Folgendes zu sagen, wohlverstanden, als Freund!
Briefe an die Ostfront und von der Ostfront
Memel, den 21. Juni 1942. Lieber Fritz! Recht herzlichen Dank für Deine beiden Briefe aus dem Erholungsheim vom lo. und 13. Juni. Den ersteren hatte ich gleich beantwortet und zwar zum Erholungsheim geschickt. Vielleicht wirst Du ihn bekommen.
Dr. von Ploetz erinnert sich an das Kriegsende
Dr. von Ploetz ist heute Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in MoskauAn den Krieg und sein Ende habe ich, 1940 in Schlesien geboren, Erinnerungen, die sich wahrscheinlich auch mit später Gehörtem vermischen. Die Tatsache, daß mein Vater – der von Beruf Landwirt war – einberufen wurde und nur ab und zu auf Urlaub kam, ist mir aber bewußt geworden. Ich erinnere auch das Bild der Flüchtlingszüge aus dem Osten, die an unserem Hof vorbeizogen. Oft übernachteten bei uns Hunderte von Menschen.
Briefe an die Ostfront und von der Ostfront
15.06.1942. Mein liebes Brüderlein! Vom Urlaub in der schönen Heimat zurückgekehrt, fand ich Deinen lieben Brief vom 30.5. vor. Recht herzlichen Dank dafür. Wie Du schreibst, geht es Dir ja noch gut. Bei mir ist auch alles in bester Butter.
Briefe an die Ostfront und von der Ostfront
Meerane, d. 30.10.41. Lieber Rudolf! Lange Zeit haben wir nichts voneinander gehört, und erst heute komme ich dazu, Dir für Deinen lieben Brief zu danken.
Matthes Buhbe, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung Moskau, erinnert sich
Ich bin 1949 geboren, also vier Jahre nach Ende des Krieges und – wie sich herausstellte – zehn Kilometer entfernt von der neuen Grenze in Deutschland zwischen Ost und West. Unser kleiner Ort war zur damaligen Zeit überflutet von Flüchtlingen aus den Gebieten östlich dieser Grenze und meine Kindheitserlebnisse waren sehr stark geprägt von Begegnungen mit den Flüchtlingskindern, ihren Eltern und ihren Erzählungen. In der eigenen Familie gab es auch viele Geschichten, weil wie bei so vielen Familien in Deutschland, Jugenderinnerungen sich beispielsweise an Ostpreußen knüpften, wo man ausgebildet worden war oder an andere Städte in der damaligen DDR oder in den Gebieten östlich der DDR, wie z.B. Schlesien – ein Onkel von mir kam aus Schlesien. Er hat bei uns im Ort auch gearbeitet und hat natürlich viel zu erzählen gehabt, was er alles verloren hat.
Nach dem Not-Abitur an die Front - Hans-Joachim Eilhardt erinnert sich
April 1945. Es ist der erste Einsatz des 18-Jährigen, der gerade sein Not-Abitur abgelegt hat. "Ich saß in einem Brauerei-Gewölbe vor meinem Funkgerät, als ich die ersten Explosionen hörte", sagt der heute 78-jährige Jans-Joachim Eilhard. "Die Nähmaschinen hatten uns aufgespürt. Sie begannen fürchterlich zu hausen. "
Überall Trümmerberge - Gertraud Beck erinnert sich
"Das war März 1945", sagt Gertraud Beck (74). "Es sah natürlich schlimm in meinem Kiez, am Anhalter Bahnhof in Berlin. Überall Trümmerberge. " Irgendwann zwischen dem 26. und dem 28. April unter der Erde führt man keinen Kalender mehr. Da stehen die ersten russischen Soldaten im Luftschutzkeller. "Sie ließen uns vor dem Haus antreten", sagt Beck. "Einem Soldaten hatten es wohl meine blonden Locken angetan. Er zog mich die Treppen zum Hochparterre hoch. "
Jens Siegert, Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung Moskau, erinnert sich:
Ich möchte etwas über meinen Großvater erzählen. Ich war noch nicht geboren, als der Krieg zu Ende gegangen ist, selbst meine Eltern waren noch ziemlich klein. Mein Vater war neun und meine Mutter vier Jahre alt. Ihre Erinnerungen an den Krieg beschränken sich im Wesentlichen darauf, dass die Väter nicht da waren. Da sie beide damals in einer Kleinstadt gewohnt haben, gibt es wenig Erinnerungen an Fliegeralarm oder ähnliche Geschichten. Meine Mutter hat nur erzählt, dass einmal in ihrer Siedlung eine fehlgeleitete Bombe heruntergegangen ist, die nicht einmal explodierte.
Kinder im Strassenkampf - Horst Bandmann erinnert sich
Es ist ein Haufen Kinder, der am 20. April an der Landsberger Allee zur Verteidigung Berlins antritt. 15- und 16-jährige Burschen, Hitlers "letztes Aufgebot". Horst Bandmann, ihr Fähnrich, ist mit 19 Jahren kaum älter. "Ich war gerade von der Jagdfliegerschule abgezogen worden", sagt der heute 79-Jährige. "Zur Flak nach Berlin. " Zwei Jahre zuvor hatte er sich zur Luftwaffe gemeldet. "Ich wollte Offizier werden und ich wollte fliegen. "
Erinnerungen eines Sohnes
Geboren bin ich neun Jahre nach dem Ende des Krieges. Meine Erinnerungen beruhen auf Erzählungen meines Vaters, meiner Mutter und zum Teil meiner Oma. Die Erzählungen derer, die im Krieg waren, waren immer ganz anders, als derer, die zu Hause geblieben waren. Dies ist sicherlich auch ein Ergebnis von Propaganda, die auch heute in vielen Fällen nachzuvollziehen ist.
25.000 Menschen verbrannten - Susanna Hoenischer (68) erinnert sich
Es ist eine Alptraum-Landschaft, in die sich Berlin im Frühjahr 1945 verwandelt hat: Trümmerwüste statt Häusermeer. Es regnet Bomben, hagelt Granaten. Man lebt unter Tage, verbunkert. Susanna Hoenischer (68) hat eine hübsche Wohnung in Steglitz: Teppich, Sofa, Blumenbalkon. Alles ganz normal, bis auf die Decke. Dort hängt ein rundes Plastikkästchen, ein Rauchmelder. "Am 3. Februar habe ich Feuer fürchten gelernt", sagt sie. 3. Februar 1945, das ist der Tag, an dem 25 000 Menschen in der Berliner Altstadt verbrennen.
Wie ich den 8. Mai 1945 erlebte - Erhard Lonscher erinnert sich
Als der Eroberungs-, Raub- und Vernichtungskrieg Hitlerdeutschlands begann, war ich 14 Jahre alt, erzogen im Geist des Antikommunismus, Rassenwahns und der chauvinistischen Verunglimpfung anderer Völker, besonders derer in der Sowjetunion als Untermenschen. Als Offiziersanwärter wurde ich mit 19 Jahren Fähnrich und Flugzeugführer in einem Schlachtgeschwader. Da selbiges noch nicht einsatzfähig war, wurden wir, etwa 500 Flugzeugführer, im Bodenkampf in die Schlacht um Berlin geworfen.
Ewald Schneider: In russischer Gefangenschaft
Unsere Division war im Raume Kowel eingeschlossen. Die Regimenter hatten den Befehl, nach Westen durchzubrechen. Unser Divisionsstab der 26. Infanteriedivision sollte die Nachhut für die Regimenter bilden. Der Divisionsstab wurde umzingelt und dann aufgerieben. Ein Kamerad und ich waren alleine versprengt und wurden nach einigen Tagen Nachtfußmarsch Richtung Westen von russischen Soldatinnen auf Panje-Pferden reitend morgens in einem Rübenfeld entdeckt und zu einem russischen Kommando gebracht.
Lucien Maurer aus Frankreich erinnert sich
Während der Jahre 1940-1945 gehörte Elsaß-Lothringen (jetzt Frankreich), zu Deutschland. Ab August 1943 sind wir in die Wehrmacht eingezogen worden. Ich war auch dabei und kam an die russische Front. Bin dann gefangen genommen worden von den Russen, in Kursk, und kam in das Lager von Tambow, 500 Kilometer südöstlich von Moskau. Zwei Jahre war ich dort, dass heißt zwei schrekliche Winter habe ich mitgemacht. Das Schlimmste dort waren nicht die Russen, sondern unsere Elsässer Franzosen, die unsere Chefs waren im Lager. Sie trugen alle auch die deutsche Uniform, aber einmal im Gefangenschaft, sind sie die besten pro-de-Gaulle-Franzosen geworden.
Stefan Sonntag erinnert sich
Als mein Opa schon langsam Demenz (Alzheimer) bekam, redete er oft wirres Zeug, was ich als Junge von 13 Jahren nicht verstand. Erst heute ergibt vieles einen Sinn. Meine Mutter erzählte mir, das mein Opa nach dem Krieg nie etwas über ihn erzählt hat. Er sagte immer: Krieg ist schlimm und darf nie wieder kommen. Was mein Opa in Krieg machte, weiß ich nicht, aber sein Verhalten bei bestimmten Situationen lässt heute vieles anders erscheinen.
Wodka und unendliche Weiten
Für den jungen Soldaten Heinz Kuss (heute 85) begann der 2. Weltkrieg eher entspannt: Zur Vorbereitung auf seinen Einsatz verbrachte er den August 1942 in der kleinen Stadt Taganrog am Asowschen Meer. „Ich hörte wunderschöne Chöre und sah Aufführungen im Opernhaus,“ erinnert er sich. „Es war für uns Deutsche beeindruckend“. Zur russischen Bevölkerung hätten die Soldaten freundschaftliche Beziehungen unterhalten, sagt er.

H. J. Paetsch: Nichts vergessen, aber Freundschaft pflegen
Ich bin zwar kein am Krieg direkt Beteiligter gewesen, da ich als 1938Ggeborener 1944 sechs Jahre alt war und im September 1944 in Königsberg noch in der Schule in Ratshof eingeschult wurde. Aber an die Flucht im Januar 1945 kann ich mich noch gut erinnern. Meine Mutter, Schwester und ich sind noch mit dem letzten Zug aus Königsberg herausgekommen. Dabei sind wir mit der Bahn vom Bahnhof Ratshof zum Hauptbahnhof gefahren, dort über die Gleise geklettert, um den Zug zu erreichen. Der Bahnhof war von Menschen überfüllt und meine Mutter hatte Schwierigkeiten, uns beide nicht aus den Augen zu verlieren. Die Reise dauerte bis Sachsen über eine Woche.
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