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Tagebuch - Deutsche Erinnerungen
Der Krieg vergiftet die Berliner Luft - Jutta Petenati (75) erinnert sich

Der Krieg vergiftet die Berliner Luft. Es stinkt nach Silvesterschwefel, Ziegelstaub und verbrannten Balken, wenn Jutta und Uschi durch den Geschützdonner zum Dienst huschen. Im Ratskeller des Berliner Rathauses liegen verwundete Soldaten, die beiden 16-jährigen Mädchen sind als Hilfsschwestern eingeteilt.

Es ist der 25. April 1945 und die Front verläuft mitten durch Berlin. In Prenzlauer Berg und Wedding, Tempelhof und Friedrichshain wird gekämpft. Jutta Petenati (75) erinnert sich an einen jungen Burschen, der auf dem Totenbett immerzu nach seiner Mutter weint. "Das kann ich bis heute nicht vergessen", sagt sie.

Wenige Tage später ist die Rote Armee bis zur Schlossbrücke herangerückt. Petenati: "Wir sollten die Verwundeten auf einem Gemüsetransporter zum Adlon fahren. Es klackerte immer so komisch unterwegs. Erst als ein Landser brüllte, dass die auf uns schießen, merkte ich, was los war. " An der Museumsinsel sind die Russen also auch schon. Jutta und Uschi suchen im Keller der Universität Schutz.

"Macht, dass ihr nach Hause kommt, Hitler ist tot, der Krieg ist aus", ruft ein Uniformierter am 1. Mai quer über die Straße. Er kommt aus Richtung Führerbunker. Die Mädchen schließen sich einem Treck über die Weidendammer Brücke an. Dort passiert es: Eine Granate explodiert in der Menge. "Der Soldat neben mir hatte keine Beine mehr", sagt Petenati. "Meine Freundin wurde von den Splittern getroffen. Sie wimmerte und schrie vor Schmerz. " Auf einer Schubkarre bringt Jutta sie bis zum Krankenhaus in der Scharnhorststraße. Auf dem Weg sieht sie die ersten Russen tot.

Äußerlich wird Uschi wieder gesund. Aber genau wie Jutta, wie diese ganze Generation, wird sie der Krieg tief drinnen nie mehr loslassen. "Wenn Gewitter ist, stelle ich mich in meinen Flur und mache alle Türen zu", sagt Petenati. "Der Donner klingt wie damals. Und das will ich nie mehr hören müssen".

Autor: Nike Köpf

Mit freundlicher Genehmigung des Berliner Kuriers.

Quelle: „Berliner Kurier“, www.Berlin.Online.de/berliner-kurier



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