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Tagebuch - Deutsche Erinnerungen
Zur Flucht in die Schweiz verholfen

Ich bin 54 Jahre alt und die Geschichte, die ich erzählen möchte über die Vergangenheit, habe ich von meinem eigenen Großvater mütterlicherseits. Mein Großvater war während des Zweiten Weltkrieges Lokführer und hatte dadurch die Möglichkeit, Menschen zur Flucht zu verhelfen.

Die Menschen wurden in unserem Kaninchenstall hinter dem Haus versteckt. Meine Großmutter hat sie mit Nahrungsmittel versorgt und sich um sie gekümmert. Damit niemand etwas merkte, versteckte sie das Essen für die Flüchtlinge unter dem Fressen für die Kaninchen, wenn sie durch den Garten ging. In der Nacht vor der Fahrt in die Schweiz, die mein Großvater regelmäßig machte, wurden die Flüchtlinge zu der Lok geführt. Sie wurden am Tender versteckt und anschließend mit den Kohlen zugeschüttet. Natürlich hatten sie da sehr wenig Luft, aber es ging um so viel. Sie wurden auch, so wie es ging, mit Nahrung versorgt. Kurz nach der Grenze hat mein Großvater die Menschen dann frei gelassen.

In der Lok arbeitete noch ein Mann, der von den Flüchtlingen natürlich wusste. Er hat meinen Großvater unterstützt. Die beiden Männer haben sich nie krank gemeldet, damit kein neuer Mann in der Lok eingesetzt wurde. In der Familie wusste zur Kriegszeit keiner etwas, außer meine Großeltern. Das war auch besser so, denn sonst wäre es noch riskanter geworden. Ich weiß, dass mein Großvater dadurch nicht viele Menschen retten konnte, wie viele es waren, hat er nie gesagt, aber es hat ihm viel bedeutet, überhaupt etwas tun zu können.

An eine Person kann ich mich selber erinnern. Das war der Sohn von der Freundin meiner Großmutter. Diesen hat mein Großvater auch herausgeschmuggelt. Der Sohn hat sich uns jahrelang dankbar erwiesen, indem er von sich hören lassen hat und über seine Mutter Grüße geschickt hat. Seine Mutter hat, als meine Großeltern beide tot waren, meine Mutter haushaltsmäßig unterstützt.

Später hat mein Großvater dafür einen Verdienstorden gekriegt und ein kommunistisches Begräbnis.

Die Autorin dieser Erinnerung möchte anonym bleiben.




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