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Tagebuch - Deutsche Erinnerungen
Unter der Besatzung der Russen

Mein Name ist Jennie Gullnick und ich bin 24 Jahre alt. Ich möchte etwas über meinen Opa erzählen. Da er zu Kriegszeiten erst 12 Jahre alt war, musste er Gott sei Dank nicht an die Front. Während sein Vater kämpfte, ist mein Opa mit seinen Geschwistern bei seiner Mutter aufgewachsen. Als Deutschland kapitulierte, wussten alle, dass die Russen bald kommen werden, da die polnische Grenze in der Nähe ist. Einerseits waren alle froh, dass der Krieg vorbei war...

...aber auf der anderen Seite hatten die Leute auch ziemlich Angst vor den Russen, da ihnen ein schlechter Ruf vorauseilte. Die deutschen Soldaten hatten sich in Russland nicht besonders gut verhalten und die Leute befürchteten, dass sich die russischen Soldaten an der Bevölkerung nun rächen würden. Den Leuten ging es insgesamt ziemlich schlecht. Sie hatten wenig zu essen und haben irgendwie versucht, diese Zeit zu überstehen.

Als die ersten russischen Soldaten einmarschierten, haben die sich natürlich genommen, was sie brauchten. Sie haben geplündert und sich das Wenige, was die Leute noch hatten, einfach genommen. Die Soldaten haben wahllos Familien aus ihren Wohnungen geschmissen, um dort zu schlafen. Sie haben viele junge und ältere Frauen vergewaltigt, unter anderen auch die Mutter von meinem Großvater.

Die Vergewaltigungen an sich wurden verachtet, aber man konnte die Soldaten auch verstehen. Die Leute haben nicht angefangen, die Soldaten zu hassen. Nachdem die Soldaten sich abreagiert hatten und schon eine Weile da waren, haben die Soldaten der Bevölkerung geholfen und umgekehrt. Die Bevölkerung hat den Soldaten Essen und Kleidung verschafft, und als Gegenzug haben die Soldaten Dinge besorgt, die die Bevölkerung benötigte. Auch haben die Russen den Kindern kleine Geschenke gemacht. Insgesamt haben die Leute gesagt, dass sie mit viel mehr Gewalt gerechnet hatten.

Es gab dann noch eine spezielle Geschichte, die mir mein Opa erzählt hat. In der Nachbarwohnung von Opa haben Russen gewohnt. Er wusste, dass die Soldaten dort immer Brot und andere Nahrungsmittel hatten. Irgendwann ist er mit seinem Freund in die Wohnung eingestiegen, als sie wussten, dass die Soldaten nicht da waren, und hat ihnen das Brot geklaut. Die beiden haben das Brot sofort ganz aufgegessen und waren das erste Mal seit langem wieder satt.

Danach hatte mein Opa sehr viel Angst, dass sie ihn verdächtigen und erwischen und dann höchstwahrscheinlich auch erschießen. Aber es hat alles geklappt und mein Opa hat mir dann noch berichtet, wie die Gewehre an den Wänden hingen und die Munition herumlag. Davon war er sehr beeindruckt, aber auch geschockt.




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