Ein Projekt von: aktuell.ru, RIA Nowosti und Echo Moskaus
Tagebuch - Deutsche Erinnerungen
H. J. Paetsch: Nichts vergessen, aber Freundschaft pflegen

Ich bin zwar kein am Krieg direkt Beteiligter gewesen, da ich als 1938Ggeborener 1944 sechs Jahre alt war und im September 1944 in Königsberg noch in der Schule in Ratshof eingeschult wurde. Aber an die Flucht im Januar 1945 kann ich mich noch gut erinnern. Meine Mutter, Schwester und ich sind noch mit dem letzten Zug aus Königsberg herausgekommen. Dabei sind wir mit der Bahn vom Bahnhof Ratshof zum Hauptbahnhof gefahren, dort über die Gleise geklettert, um den Zug zu erreichen. Der Bahnhof war von Menschen überfüllt und meine Mutter hatte Schwierigkeiten, uns beide nicht aus den Augen zu verlieren. Die Reise dauerte bis Sachsen über eine Woche.

Unterwegs wurden wir von russischen Tieffliegern angegriffen. Da die Zugfenster teilweise bereits in Königsberg zerschlagen wurden, um irgendwie in einen Waggon zu kommen, war es auf der Reise sehr, sehr kalt. Mein Vater musste die Stadt bis zur Übergabe an die Russen "verteidigen". Als Gefangener marschierte er nach der Kapitulation nach Russland. Da er bereits ein älterer Herr war, wurde er schon 1947 aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Natürlich total verhungert erreichte er uns in Sachsen.

Heute, nach der Perestroika und nach Glasnost, habe ich seit 13 Jahren wunderbare russische Freunde in Königsberg/Kaliningrad, die ich jedes Jahr besuche und welche auch bei mir Hamburg schon zu Besuch waren. Ich denke, rückblickend betrachtet, sind wir alle (Russen und Deutsche) irgendwie von unseren Regierungen bis weit in den Kalten Krieg hinein durch Propaganda betrogen worden und viele Feindbilder aufgebaut worden.

Ich habe in Kaliningrad alte russische Veteranen kennen gelernt, die bis nach Tschechien marschiert sind. Ebenso kenne ich eine Leningraderin, welche die Blockade in Leningrad mitgemacht hat. Ich bin nie als ein Faschist beschimpft worden. Im Gegenteil, ich bin sehr herzlich von ihnen aufgenommen worden. Man soll nichts vergessen, aber diese Freundschaften pflegen.




Alle deutschen Erinnerungen
Kriegsende-Banner für Ihre Website

Dies ist ein Projekt von Russland-Aktuell, RIA Nowosti und Radio Echo Moskaus
Weitere Verwendung im Internet nur mit Quellenangabe und Link zu
kriegsende.aktuell.ru
© .RUFO; © RIA Nowosti