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Tagebuch - Deutsche Erinnerungen
Briefe an die Ostfront und von der Ostfront

15.06.1942. Mein liebes Brüderlein! Vom Urlaub in der schönen Heimat zurückgekehrt, fand ich Deinen lieben Brief vom 30.5. vor. Recht herzlichen Dank dafür. Wie Du schreibst, geht es Dir ja noch gut. Bei mir ist auch alles in bester Butter.

Ja, nun ist die schöne Zeit auch wieder herum, leider nur allzu schnell. Aber die Hauptsache ist ja, daß man überhaupt mal nach Hause kommt, mal wieder etwas schönes sehen und erleben kann nach all den grauenhaften und häßlichen Bildern, die man hier doch täglich mit ansehen muß. Ich habe ja nun das große Glück gehabt, gerade zu einer Zeit nach Hause zu kommen, wo es dort ungefähr am schönsten ist.

Es ist nun sehr schade, daß ich keinen von Euch dort angetroffen habe. Ich hätte doch meinen großen Bruder zu gern man als Soldaten gesehen! So habe ich zwar Eure Bilder, aber was die Kasseler bzw. Bettenhauser Mädels so erzählen - da möchte man doch das Original dazu auch gern mal sehen! Na, vielleicht klappt's beim nächsten Urlaub.

Herrmann wird, wenn er dort bleibt, voraussichtlich in 1/2 Jahren wieder nach Hause kommen. Aber bis dahin bin ich sicher noch nicht wieder an der Reihe und Du wahrscheinlich auch nicht.

Es müßte dann der Fall eintreten, daß der russ. Feldzug früher beendet wird. Die Erfolge unserer Waffen sind ja z.Z. an allen Fronten ganz fabelhaft. Man konnte immerhin glauben, daß Russland noch vor Anfang des nächsten Winters erledigt wird. Aber Du schreibst ganz richtig, man weiß ja noch nicht, welche Überraschungen u. Schwierigkeiten uns noch aufhalten werden. Aber ich glaube, darüber wird uns die Zeit schon Auskunft geben. Warten wir also ab.

Unser Vetter Gustel ist - wie ich jetzt erfahren habe- garnicht allzu weit von mir weg. Er schrieb mir, wenn er es mal irgendwie möglich machen könnte, wollte er mich besuchen. Das wäre prima. Es wird j a auch Zeit, daß er mal Urlaub bekommt. Er war doch auch bald 2 Jahre nicht
zu Hause.

Zu Hause ist soweit alles in Ordnung. Sorgen macht mir nur Papas bevorstehende Operation. Das ist eine ekelhafte, schwierige Geschichte. Aber hoffen wir, daß auch das gut vorübergeht- Hanneli ist ja einfach goldig jetzt. Ich war total platt über das niedliche Babbelschnütchen: Wenn wir sie mal wieder sehen können, ist sie aber schon eine ganzes Stück größer. Aber daran ist nun nichts zu ändern. Jeder Krieg muß ja ein Ende finden.

Nun, lieber Kurt, Schluß. Viele herzl. Grüße u. Hals- u. Beinbruch

Deine Schwester Hilde.

Randbemerkung auf Seite 1: Beiliegende Briefe sind zurückgekommen. Du solltest sie aber doch haben.

Randbemerkung auf Seite 4: Was macht der „Frühling"!!



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