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Tagebuch - Deutsche Erinnerungen
Briefe an die Ostfront und von der Ostfront

Stettin, den 10. März 1942 Mein liebster Freund, meine guter Kamerad! Zu Deinem Schreiben vom 7.3., acht Seiten lang, habe ich Dir Folgendes zu sagen, wohlverstanden, als Freund!

Ich gehe mit Dir vollkommen einig, dass Du als aktiver Offizier an die Front gehörst. Aber Befehl ist Befehl und gerade als Soldat hast Du den zu erfüllen. Kommt ein Befehl von Gottes Hand, so wird gar nicht erst befohlen, er ist einfach da. Jedes Wort ist nun überflüssig. Rüttelt nur an Euren Ketten und sie sind Euch zu schwer.

Als Soldat muss es Dir eine Ehre sein, für Deutschland zu kämpfen und auch zu sterben. Redet doch nicht immer von „größtem Opfer", diese abgedroschene Phrase, dadurch verkleinert, erniedrigt Dir ja geradezu Eure Heldentaten. Legt Dir Euch denn wie Lämmer auf die Schlachtbank? Nein und abermals nein, mit Freuden stürmt Dir gegen den Feind, um Deutschland größer und schöner zu sehen.

Wer fragt im Moment des Vorwärtsstürmens nach Weib und Kind? Es gilt einzig und allein das Vaterland, nicht das kleine persönliche Schicksal. Wer anders denkt ist in meinen Augen kein echter Soldat. Wer dies tut wird eher der sein, der zu Hause Frau und Kind hat und sich Sorgen macht, wie die denn nun allein ohne Vater groß
werden.

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Er wird auch immer der sein, der an alles zaghafter herangeht das ist eben naturgegeben und einem klaren Verstand einleuchtend. Sagte doch schon der alte Fritz ((gemeint ist der Preußenkönig)): „Soldaten so sie verheiratet sind, sein kein Schuß Pulvers wert". Bildest Du Dir etwa ein, ein schlaueres Köpfchen zu haben wie unser größter König? Ich könnte Dir mehrere Sachen dieser Art von Deutschlands größten Helden und Philosophen sagen, aber leider habe ich sie nicht alle im Kopfe. Du siehst, Deine Theorie war falsch. Ich habe in diesen drei Jahren schon viele Menschen gesprochen und habe oft es gehört, wie ich es Dir schreibe, aber noch nie anderes.

Ich sage Dir einmal, was mir ein guter Bekannter einmal sagte, wie ich ihn fragte, dass es doch schade wäre, dass er, der sich so hohe Orden verdient hätte, wenn er fiele, keine Kinder hätte.

„Nein, wenn ich falle, liegen dafür 10 Kinder in der Wiege, für die ich geholfen habe, mehr Lebensraum und dadurch Nahrung zu schaffen. Denn ein Volk hat volle Wiegen, wenn es Raum und Nahrung hat, da ist es egal für wessen Kind ich mein Blut gebe, ob für eigene oder das des Kameraden. Ich gebe es freudiger fürs Vaterland, wenn ich das des Vaters erhalten kann. Mein Beruf ist Offizier, da steht an erster Stelle der Kampf und den kämpfe ich besser ohne Sorgen um Weib und Kind."

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* Es stimmt auch nicht, dass Du in Deinen Kindern weiterlebst, wie unsere Vorfahren nicht in uns weiterleben. Sondern jeder Mensch ist ein abgeschlossenes Wesen - ein Glied in der langen Weltgeschichte - hat hier auf Erden seine Pflicht zu tun, er wird wieder abgerufen und ein Neues tritt an seine Stelle, ganz unwesentlich, ob das eigene Kind oder ein Anderes, dass sind nur egoistische Gedanken und nichts für einen Krieger. Das Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten und neues Leben blüht aus dem Ruin.

Wenn ich das Wort „Opfer" höre, wird mir schwach. Wir wollen doch nicht Rechten, wer das Größte bringt, ob der Soldat im Feld der freudig dem Feind entgegenstürmt, und wenn er es nicht tut ist er keiner, und fällt, oder die Mutter, die ihren Sohn, ihr Kind in Schmerzen geboren und erzogen, oder ihren Mann verliert. Es sind Pflichten und Schicksale, von Gott auferlegt, die getragen werden müssen. Von jeder Seite große Heldentaten, aber keine Opfer. Nur die einen werden Helden des Vaterlandes und ewig geehrt und die Anderen tragen ihr Heldentum still und stumm.

Dies sind meine Worte an Dich mein Kamerad. Sind sie vielleicht hart, so sind sie doch aus reinem deutschen Herzen, dass sein Vaterland über alles liebt, Worte der Liebe einer kleinen deutschen Soldatenfrau zu ihrem deutschen Heimatland. Dein Freund Friedrich.

* Die Randbemerkungen sind auf der Kopie kaum zu enträtseln, aber an dieser Stelle steht eindeutig - als Widerspruch gegen den Text: „Doch!"



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