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Tagebuch - Deutsche Erinnerungen
Briefe an die Ostfront und von der Ostfront

Memel, den 21. Juni 1942. Lieber Fritz! Recht herzlichen Dank für Deine beiden Briefe aus dem Erholungsheim vom lo. und 13. Juni. Den ersteren hatte ich gleich beantwortet und zwar zum Erholungsheim geschickt. Vielleicht wirst Du ihn bekommen.

Jetzt schreibe ich wieder an Deine alte Feldpost-N. In dem letzten Brief hatte ich geschrieben, daß wir die 170.- RM bekommen haben. Du fragtest ja danach. Wir freuen uns, daß Du jetzt einige Zeit ausspannen und Dich etwas erholen konntest. Man hätte Dich auch bis zu uns in Urlaub schicken können. Besser so als garnichts. Hoffentlich hat die Erholungspause auch etwas genützt.

Wir wollen hoffen, daß es Dir auch weiterhin gut geht und Du gesund bleibst, wenn Du wieder zu Deiner alten Kompanie zurückkehrst. Man hofft ja von Tag zu Tag, daß es mit der Morderei ein Ende nimmt. Aber wann wird das sein? Recht schönen Dank auch für die Blütchen, die Du mitgeschickt hast. Mama hat sie gleich in ihre Obhut genommen und will sie aufbewahren.

Bei uns blüht auch gerade der Flieder und manche andere Sträucher. Es ist auch hier alles sehr spät geworden. Das Wetter ebenfalls kühl und heute regnet es auch wieder mal. Im vergangenen Jahr um diese Zeit war es schöner und wärmer. Morgen am 22. ist gerade ein Jahr herum, daß der Krieg mit Russland begann. Das hätte man sich damals nicht gedacht, daß man nach einem Jahr noch nicht weiß, wann das Ende sein wird.

Zu Hause ist alles wohl und gesund. Papa ist mit seinem Prahm unterwegs, es werden Kohlen im Winterhafen geladen. Mama ist jetzt auch mobil, wo sie weiß, daB Du etwas Erholung hast. Und ich freue mich nicht weniger darüber. Bevor von Dir Post kommt, träume ich immer von Dir. Wenn ich das erzähle, dann sagt sie schon,“Na,wenn Du schon von Fritz träumst, dann schreibt er bald“.

Und es ist bis jetzt immer eingetroffen. Wir wollen die Hoffnung nicht verlieren, daß wir uns am Ende des Krieges alle gesund wieder zusammenfinden.

Elisabeth und den Kindern geht es auch gut. Die beiden gehen schon allein nach draußen in den Park und spielen. Allein traut der Karlemann sich nicht vom Hause fort, mit der Traute läuft er aber mit, die hat mehr Mut, als er. Nur ist er immer noch so rechthaberisch. Was er bei ihr sieht, muss er haben. Dann wirft er seine Sachen fort und nimmt ihr die Spielsachen weg und wenn es sogar eine Puppe ist. Die Hauptsache, er hat alles. Und dann stößt und schlägt er auch die Kleine oft.

Da fehlt der Papa zu Hause, dann hätten sie mehr Respekt. Vor dem Opa haben sie j Respekt, aber der ist ja auch wenig da. Kurt ist immer noch im Lazarett und darf noch nicht aufstehen. Er muss noch immer seine Hungerkuren durchmachen und darf nicht alles essen. Im Juli hofft er zum ersten Mal aufstehen zu dürfen. Vielleicht kommt er danach dann auf Urlaub.

In Memel geht jeder nach wie vor seiner Arbeit nach. Zu kaufen gibt es nicht viel und was man bekommt, ist ziemlich teuer. Geschenkartikel gibt es fast überhaupt nicht oder rasend teuer. Statt Blumen wird jetzt mehr Gemüse gepflanzt. Das einzige was man, wenn auch nur knapp, bekommt, sind Bücher. Ich habe mir auch wieder welche angeschafft, keine Romane, sondern Bücher aus dem politischen Leben, Aufbau des Dritten Reiches usw.

Das ist das einzige, wofür ich mein Geld jetzt ausgebe. Ins Kino mme ich überhaupt nicht. Man muss sich immer Karten vorher besorgen und weil man so viel Dienst hat, kommt man nicht dazu. Heute, am Sonntag Vormittag habe ich von 10 bis 1 Uhr Dienst. Sonst arbeiten wir tagsüber 10 Stunden. Was soll man machen. Ihr habt es an der Front ja noch schwerer. Hier weiß man wenigstens, daß einem der Kopf dran bleibt, wenn man auch noch so viel Dienst macht. Ein wenig macht es sich ja auch körperlich bemerkbar. Man ist nervös und Haut und Knochen. Aber wenn das hilft, daß der Krieg schneller zu Ende geht, nimmt man es schon in Kauf.

Nun lieber Fritz, wünsche ich Dir noch gute Erholung. Ich glaube aber, daß dieser Brief Dich schon bei der Truppe erreichen wird. Von Papa, Mama, Elisabeth und den Kindern recht viele herzliche Grüße. Auch von mir die besten Wünsche zu Deiner Erholung und eine glückliche Heimkehr. Mit den herzlichsten Grüßen verbleibe ich Deine Schwester Maria



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