Ein Projekt von: aktuell.ru, RIA Nowosti und Echo Moskaus
Tagebuch - Deutsche Erinnerungen
25.000 Menschen verbrannten - Susanna Hoenischer (68) erinnert sich

Es ist eine Alptraum-Landschaft, in die sich Berlin im Frühjahr 1945 verwandelt hat: Trümmerwüste statt Häusermeer. Es regnet Bomben, hagelt Granaten. Man lebt unter Tage, verbunkert. Susanna Hoenischer (68) hat eine hübsche Wohnung in Steglitz: Teppich, Sofa, Blumenbalkon. Alles ganz normal, bis auf die Decke. Dort hängt ein rundes Plastikkästchen, ein Rauchmelder. "Am 3. Februar habe ich Feuer fürchten gelernt", sagt sie. 3. Februar 1945, das ist der Tag, an dem 25 000 Menschen in der Berliner Altstadt verbrennen.

Um 10. 39 Uhr heulen die Sirenen Fliegeralarm. Hoenischer: "Die Leute aus dem Bürohaus nahmen uns mit in ihren Luftschutzkeller. " Sie erinnert sich an Funzellichter und an eine Dose mit Kandis und Kaffeebohnen. Lutschen gegen die Angst.

Dann dröhnen die ersten Jagdgeschwader am Himmel. 937 alliierte Bomber breiten einen Teppich aus Brandbomben und Sprengstoffpaketen über das alte Herz Berlins. Unten im Keller zittert die Erde. Hoenischer: "Meine Mutter wollte uns beruhigen. ,Die Luftschutztüren klappern , sagte sie, wenn es knallte. Dabei war sie kreidebleich im Gesicht. ".

Warten und zittern, dass das Haus nicht getroffen wird, mehr können die Menschen nicht tun in ihrem Unterschlupf. Der Raum wird immer enger von der Furcht, die Luft stickig vor Angst.

Als die Frauen mit den Kindern nach oben gehen, stehen sie in der Hölle. Mitten am Tage ist es stockduster, vor Rauch. Aus den Giebeln schlagen die Flammen, so weit das Auge reicht. "Ich weiß seitdem, was das Wort Feuersturm bedeutet", sagt Hoenischer. " Unversehrt, inmitten der Zerstörung, steht nur der Lkw, der die Familie raus bringen soll, ein Wunder.

"Wir setzten uns mit dem Rücken zum Fond", erzählt Hoenischer. "Als wir um die Ecke Unter den Linden bogen, sah ich es. Da hing das Berliner Schloss im roten Himmel und brannte lichterloh. Wir fuhren zum Glück weg davon, mit unserem neu geschenkten Leben. ".

Autor: Nike Köpf

Mit freundlicher Genehmigung des Berliner Kuriers.

Quelle: Berliner Kurier



Alle deutschen Erinnerungen
Kriegsende-Banner für Ihre Website

Dies ist ein Projekt von Russland-Aktuell, RIA Nowosti und Radio Echo Moskaus
Weitere Verwendung im Internet nur mit Quellenangabe und Link zu
kriegsende.aktuell.ru
© .RUFO; © RIA Nowosti