Ein Projekt von: aktuell.ru, RIA Nowosti und Echo Moskaus
Tagebuch - Russische Erinnerungen
Meine Mutter wurde im Oktober 1941 geboren. Der Großvater sah sie nur einmal

Viktor Andrejewitsch Kosnikow, der Vater meiner Mutter, fiel ganz am Anfang des Jahres 1942 bei Smolensk. Er war technischer Spezialist und beim Flugplatzwartungsdienst beschäftigt. Als man alle unter die Panzer warf, um Löcher zu stopfen, wurde auch er zur Infanterie einberufen. Meine Großmutter blieb mit meiner Mutter, die im Oktober 1941 geboren worden war, in Moskau. Sie war ihr erstes langersehntes Kind. Mein Großvater sah es nur einmal.

Sofia, der Schwester von Viktor Andrejewitsch, verschaffte jemand über Beziehungen eine Stelle als Schreibkraft entweder beim Moskauer Kriminalamt oder im Komitee für Staatssicherheit an der Lubjanka. Die Arbeit war dort für sie unerträglich. Aber den Dienst quittieren konnte sie nicht, denn keine andere Arbeit hätte es ihr ermöglicht, die Familie so zu sichern. Sie starb im Alter von 40 Jahren an einem Infarkt.

Sein Bruder Pawel kehrte aus dem Krieg zurück und ertrank einige Jahre später irgendwo bei Moskau. Meine Großmutter heiratete zum zweiten Mal etwa 15 Jahre später einen braven Offizier der Panzertruppen. Er war der einzige mir bekannte Veteran, der gern über den Krieg erzählte. Mit meiner Mutter kamen sie nicht aus.

Leiwik-Isaak Jaruchimowitsch (Lew Jefimowitsch) Dubrowski, der Vater meines Vaters, bekam in seiner Fabrik eine Freistellung vom Militärdienst, verzichtete aber darauf, wurde zur Artillerie einberufen und erreichte Deutschland. Seine schrecklichste Erinnerung an den Krieg war die Einnahme von Köningsberg durch unsere Truppen.

Er erzählte nicht über den Krieg. Nur manchmal ließ er einige Worte darüber bald zufällig bald bei einem Gläschen fallen. Seine Frau mit einem vierjährigen Sohn (meinem Vater) und einer kleinen Tochter, die auch im Oktober 1941 zur Welt gekommen war, wurde evakuiert. Sie lebte in Barnaul zusammen mit den zu ihr aus Gomel gekommenen Eltern. Sie war durch den Hunger aufgedunsen. Kurz vor Kriegsende kehrte sie nach Moskau zurück und lebte bei der Schwester des Großvaters, die zu Beginn des Krieges ihren Mann, ein Angehöriger der Volkswehr, verloren hatte.

Sinowi Tolkatschow, einer der Verwandten Leiwik-Isaaks, war Maler. Er befreite Auschwitz und zeichnete einen ganzen grafischen Zyklus, der später veröffentlicht wurde.

In meiner Kindheit fand ich ein kleines Buch mit diesen Zeichnungen, obwohl unsere Eltern es vor uns sehr sorgfältig versteckten.

Das war ein solcher Schock, dass die Erklärungen, wonach „es keine Konzentrationslager gegeben hatte", mich heute nicht mehr berühren als die Erklärung, dass „Juden nicht gekämpft hatten". Sie berühren mich überhaupt nicht. Das geht über den Rahmen des Guten und des Bösen hinaus. Wie Auschwitz.

Die Geschichte wurde von Natalja Dubrowskaja eingeschickt



Alle russischen Erinnerungen
Kriegsende-Banner für Ihre Website

Dies ist ein Projekt von Russland-Aktuell, RIA Nowosti und Radio Echo Moskaus
Weitere Verwendung im Internet nur mit Quellenangabe und Link zu
kriegsende.aktuell.ru
© .RUFO; © RIA Nowosti