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Tagebuch - Russische Erinnerungen
Großvater entging dem Tod 17 Mal, konnte sich aber der Liebe nicht erwehren

Die Sicht "meines Krieges" und "meines Sieges" bildete sich wie bei den meisten in den 1970er Jahren geborenen Kindern anhand von Büchern, Kriegsfilmen oder Kriegsspielen heraus, bei denen niemand ein Faschist oder eine Krankenschwester, sondern sofort ein roter Kommandeur werden wollte. Zu dieser Sicht trugen auch regelmäßige Treffen mit Veteranen, Papierblumen zum Tag des Sieges am 9. Mai und Erzählungen meines Großvaters bei. Mein Großvater war ein guter Erzähler und konnte mit künstlerischen Tricks die düstere und grausame Seite des Krieges etwas vertuschen. Ich hörte ihm zu, ohne daran zu denken, dass Opas Helden lebendig waren:

Er selber oder seine Freunde, von denen manche bereits gestorben sein mögen. Aber das waren reale Personen und keine Figuren aus den zahlreichen Filmen. Mein Großvater sagte, dass er nach seinen Berechnungen mindestens 17 Mal hätte getötet werden sollen.

Er machte den gesamten Krieg mit, von 1941 bis 1945, und kroch durch halb Europa auf dem Bauch, mit einem Fernmeldekasten, immer an der vordersten Frontlinie. Ohne diesen Krieg hätte man sich nicht einmal im wahnsinnigsten Traum das Treffen des Großvaters mit meiner Großmutter vorstellen können...

Also, mein Großvater Kusma (Skripko Kusma Gawrilowitsch, geboren 1923), Kosak aus Sumy, ging 1941 an die Front und beendete den Krieg im Juli 1945. Gestorben im März 1995, eineinhalb Monate vor dem 50. Jahrestag des Sieges. Mein Großvater wollte leben. Ich liebe dich, ich erinnere mich an dich und erzähle meinem Sohn alles nach, was du mir seinerzeit erzählt hast - über Krieg, Kämpfe und Einkesselung, über unerwarteten Tod und glückliche Rettung.

Großmutter Sainab (Ischberdijewa Sainab Gumjar-kysy, geboren 1924), ein erstaunlich schönes Mädchen aus Taschkent mit usbekischem und tatarischem Blut aus einem bekannten moslemischen Stamm, flüchtete 1941 an die Front. Die Familie war erzürnt.

Sie kämpfte den ganzen Krieg gemeinsam mit dem orthodoxen Kusma und nahm im Mai 1945 in Deutschland seinen Heiratsantrag an. Darauf verzichtete die Familie auf die älteste Tochter.., für etwa fünf Jahre, dann hat sie ihr verziehen. Meine Großmutter starb 1985.

Großvater Michail, ein Weißrusse. Gott sei Dank, er lebt immer noch. An der Front kämpfte er von 1941 bis 1943. An seinem Körper gibt es so gut wie keine einzige Stelle ohne Wunden. Meine Kindererinnerungen werden manchmal wach: Welche Qualen musste der Großvater erleiden, als seine Wunden sich öffneten oder einer der zahlreichen Splitter in seinem Körper wieder zu "wandern" begann. Opa, du musst zählebig sein. Wir brauchen dich.

Großvater Anissim, Urgroßvater meines Sohnes Tjomka. Ich weiß wenig von ihm, nur, dass er ein tollkühner und waghalsiger Kavallerist war und an der Siegesparade teilnahm. Er starb schon vor langer Zeit, in den 1970er Jahren.

So ist er, mein Sieg. Ich erbe ihn bereits in der dritten Generation, von zwei Männern und einer Frau, von diesen schönen, kühnen und würdigen Menschen. Das ist für mich sehr wichtig.

Die Geschichte wurde von Natalja Lossewa eingesandt



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