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Tagebuch - Russische Erinnerungen
Seine Liebesbriefe verbrannten bei Stalingrad

Mein Onkel Mischa brachte mir seinerseit das Schießen mit dem Katapult bei - zur äußersten Missbilligung meiner Großmutter. Unsere Datschen lagen nahe beieinander, und offen gesagt, musste so manche Fensterscheibe im Zuge meines Anlernens dran glauben. Außerdem fing ich gerade mit Onkel Mischa meinen ersten Fisch (eine ganz winzige Karausche in dem Fluss neben der Datsche). Das war ein Glück! Bis heute unvergesslich. Gott sei es gedankt, Onkel Mischa ist trotz seiner vier Kriegsverletzungen lebendig und rüstig. Heute war er bei uns im Büro und brachte uns sein jüngstes Buch.
Das Buch heißt: "All die Jahre hindurch, all dem Abschied zum Trotz".

Das ist wohl sein bestes Buch. Er war Politoffizier einer Granatwerfereinheit (und dann auch ihr Kommandeur, als dieser gefallen war); bei Stalingrad ging beinahe die ganze Einheit zugrunde. Daheim war seine große Liebe, Olga, geblieben. Während des ganzen Krieges schrieben sie sich.

Ihre Briefe verbrannten bei Stalingrad, als auch er selbst in den Flammen beinahe umgekommen wäre. Aber seine Briefe hat Olga aufbewahrt und ihm kurz vor ihrem Tod zurückgeschickt.

Warum sie das tat? Nun, darum, weil sie einander nicht begegneten und einander nicht heirateten. Onkel Mischa erlebte eine schwere Kontusion, wurde von einer Krankenschwester gepflegt, und später, schon nach dem Krieg, heiratete er sie (die einfach wunderbare Tante Nina, ich erinnere mich noch gut an sie).

Das Dorf, in dem er gelebt hatte, war völlig zerbombt worden, die Rückkehr unmöglich. Olga war nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt worden. Dann kehrte sie heim, konnte ihn lange Zeit nicht finden und zog in die Ukraine um.

Sie konnte sich gar nicht vorstellen, dass Michail Alexejew, Chefredakteur der Monatsschrift "Moskwa" und Autor von Büchern, die in Zehntausenden Exemplaren herauskamen, ihr Mischa sei. Der Familienname ist nämlich sehr weit verbreitet. Sie heiratete nicht.

Schon in den 90er Jahren fanden sie sich, wechselten Briefe, er wollte zu ihr fahren, kaufte schon die Fahrkarte, aber zwei Stunden vor der Abfahrt wurde er angerufen: Olga war gestorben.

Eingesandt von Anastassija



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