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Tagebuch - Russische Erinnerungen
Der Großvater kehrte nach 43 Jahren Trennung zu seiner Frau zurück

Der Mann meiner Tante ging im September 1941 an die Front, und zwei Wochen später geriet er bei Maly Jaroslawez in Gefangenschaft. Als Gefangener wurde er in ganz Europa herumgetrieben. 1947 verschlug es ihn nach Frankreich, von dort wurden alle russischen Gefangenen über das Mittel- und das Schwarze Meer nach Odessa transportiert. Ein jeder hatte Geschenke für seine Angehörigen mit, aber in Odessa nahmen ihnen die russischen Wachen alles weg. Man ließ die ehemaligen Gefangenen in Waggons steigen, und es ging nach Kirgisien.

Niemand konnte von dort weg, gearbeitet wurde in den Uranerzgruben. Unser Großvater forderte meine Tante auf, zu ihm zu kommen, was sie natürlich nicht tat. Vor dem Krieg wurde ihrer beider Sohn Wowa geboren. 1948 heiratete mein Großvater wieder, es kamen noch zwei Söhne zur Welt. Er hatte 15 Jahre lang in der Erzgrube gearbeitet.

Sein erster Sohn schrieb ihm ständig, kam ihn auch hin und wieder besuchen. Meine Tante wartete noch immer auf ihn. Nun starb ihm 1984 die zweite Frau weg, und nach 43 Jahren Trennung kehrte unser Großvater nach Moskau, zu seiner ersten Frau zurück, und sie nahm ihn auf. 1993 starb ihr beider Sohn Wowa, und 1999 starb auch die erste Frau.

Heute ist mein Großvater 94 Jahre alt, wohnt bei einer Nichte seiner Frau, und seine Söhne aus der zweiten Ehe interessieren sich ab und zu dafür, ob er noch am Leben sei.

Keiner von ihnen hat meinen Großvater zu sich eingeladen, dabei hat er nicht den Status eines Kriegsteilnehmers oder eines Kriegsveteranen und bekommt die übliche Rente.

Zuerst litt er sehr darunter, weinte sogar, jetzt aber dankt er Gott, dass er ein so hohes Alter hat erreichen dürfen. An den langen dunklen Tagen (er ist erblindet) erlebt er in Gedanken jeden einzigen Kriegstag wieder.

Eingesandt von Ludmila



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