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Tagebuch - Russische Erinnerungen
Alexander Rosdin: Vier Jahre ohne Lebenszeichen

Der Krieg ereilte meinen Urgroßvater, als dieser schon 40 Jahre alt war. Er wurde, wie viele Millionen, im Juni oder Juli 1941 eingezogen. Und er geriet geradewegs an die Front. Von dort schaffte er es nur, einen Brief zu schreiben. Dann verschwand er für vier lange Jahre...

Doch eines schönen Tages - es war im Mai 1945 - kam er nach Hause. Die Familie war wie von Sinnen. Sie hatte ihn schon für beerdigt gehalten, obwohl doch jeder zutiefst in seiner Seele gehofft hatte, er möge noch leben. Nach der Ankunft erzählte er seine Geschichte – das Schicksal eines Menschen, welches so sehr dem von Hunderten anderer glich und doch auch wieder anders war.

Im Juli 1941, irgendwo an der Westfront, wurde er schwer verletzt und geriet in Kriegsgefangenschaft. Aus der Bewusstlosigkeit erwacht, begriff er, dass er die Flucht antreten musste. Die faschistischen Eroberer verfrachteten die Gefangenen ins Hinterland. In den Waggons, die sie für den Transport benutzten, gab es Holzböden. Und mein Urgroßvater beschloss gemeinsam mit einigen Leidensgefährten, sie zu zerlegen und sich auf das Schienenbett hinunterzulassen. Der Plan glückte. Übrigens sah ich vor einigen Jahren im Fernsehen eine sehr ähnliche Geschichte.

Misstrauen gegen Kriegsgefangene

Nach einem einwöchigen Umherirren in den weißrussischen Wäldern stießen sie auf ein Dorf. Dort, in einem der Häuser, nahm sie eine alte Frau auf. Später brachte sie sie zu einem Partisanenverband.

Den früheren Kriegsgefangenen traute man zu dieser Zeit nicht über den Weg und unterzog sie endlosen Überprüfungen. Doch als man sich davon überzeugt hatte, dass mein Urgroßvater ein anständiger Kerl ist, nahmen die Partisanen ihn mit zu ihren Einsätzen. Doch im Großen und Ganzen verrichtete er wegen seines hohen Bildungsstandes bei den Partisanen Stabsarbeit.

Im Jahre 1944, als die ruhmreiche Rote Armee diese Gebiete befreite, wurde mein Urgroßvater, als er die Zuverlässigkeits-Überprüfungen durch den Abwehrdienst SMERSCH erst einmal überstanden hatte, Adjutant eines Stabsoffiziers der Division. Doch die Verwundungen machten ihm zu schaffen, so dass man ihn nach Hause schicken wollte. Er lehnte ab.

Sein Weg führte ihn bis nach Budapest.




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