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Tagebuch - Russische Erinnerungen
Von 300 Panzern blieben nur drei übrig

Meine Kindheit ist untrennbar verbunden mit Filmen und Büchern über Kundschafter und tapfere Soldaten, Matrosen und Flieger. Ich las viel über den Krieg, aber die Erzählungen von Veteranen unterschieden sich stark von dem, was ich gelesen und im Film gesehen hatte. Heute verstehe ich schon, dass der Krieg nicht zur Schau gestelltes Heldentum, sondern eine tägliche, stündliche aufreibende ARBEIT um des Sieges willen war.

Manchmal hieß es: Was soll da groß erzählt werden, ein Angriff folgte dem anderen, trotzdem bleibt man am Leben. Aber ab und zu hört man eine andere Geschichte: eine ungeschminkte, gar nicht heroische. Einfach eine Erzählung vom KRIEG. Mein Onkel Michail Markowitsch Pyrin war ab 1944 bei Königsberg an der Front, als Funker eines T-34-Panzers. Einmal, als er und mein Vater am Tisch zusammen saßen und ihr Treffen feierten, bat ich den Onkel, vom Krieg zu erzählen. Vater sagte, dass er bis dahin von seinem Bruder nichts über den Krieg gehört hatte.

Der Onkel erzählt vom Krieg

"... Wir bereiteten uns auf einen Durchbruch mit unserem T-34 vor, an Geschossen und Patronen hatten wir mehr als sonst, alles Unnötige warfen wir weg, warfen die Geschosse ohne Holzunterlagen rein, und auch die MG-Magazine – alles, was eben ging. Ich schieße aus einem MG, sehe zwar nichts, schieße aber trotzdem, alles erzittert, und durch das kleine Guckloch sieht man kaum etwas. Überall wurde geschossen, Panzer brannten, und so, vom Rauch umgeben, rollten wir in einen Panzergraben hinab.

Die Kanone blieb im Grabenabhang stecken, aber wir traten die Gaspedale voll durch und kämpften uns hinauf, so dass der Kanonenlauf den Abhang durchpflügte. Als wir aus dem Graben raus waren (er war wohl nicht fertig gebaut), befahl der Kommandant: ‚Feuer!', im Panzer dröhnte es, alles war voll Rauch, er machte einen kurzen Blick nach draußen und sah: Die Kanone war abgerissen, übrig geblieben war nur ein ungefähr ein Meter langes Stück davon, noch dazu oben festgeklemmt. Der Lauf war voller Erde.

Das Zwillings-MG guckte ebenfalls in den Himmel, es gab nur noch meines. Wir sahen uns um: Niemand da, weder die Unsrigen noch die Deutschen. Plötzlich liefen Soldaten auf uns zu, wir sahen sie uns aus dem Panzer genauer an: Es waren die Unsrigen, sie hatten sich verirrt. Sie freuten sich über den Panzer wie Kinder, setzten sich oben drauf, so fühlten wir alle uns sicherer. Nach einer halben Stunde erreichten wir die Unsrigen.

Während wir uns aus dem Graben herausarbeiteten, hatten die Deutschen den Panzerkeil, der nach vorn gerollt war, abgeschnitten und steckten alle Panzer in Brand. Mit Panzerfäusten. Von den 300 Panzern konnten nur drei, unseren Panzer mitgerechnet, dem Feuer entgehen."

Später wurde mein Onkel verwundet, jetzt ist er Kriegsinvalide; damals dauerte die Dienstzeit sieben Jahre, so dass er 1951 aus Deutschland heimkehrte. Mein Onkel Mischa lebt noch, und ich wünsche ihm von ganzem Herzen viel Gesundheit, damit er die Siegesfeier guter Dinge mitfeiern kann.




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