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SowInformBüro berichtet
Die Lage an den Fronten am 30. Dezember 1944

PROVOKATIVE UND VERBRECHERISCHE ERMORDUNG VON SOWJETISCHEN PARLAMENTÄREN IM RAUM BUDAPEST
Wie wir bereits berichteten, haben die Truppen der 3. und der 2. Ukrainischen Front am 26. Dezember 1944 die Einkreisung der Budapester Gruppierung des Feindes abgeschlossen. Am Ende des 27. Dezember waren die Truppen der angegebenen Fronten vom Westen wie vom Osten direkt vor Budapest vorgerückt und hatten Kämpfe in den Vorstädten begonnen. Zugleich hatten unsere Truppen den Angriff ausgeweitet und waren 60 Kilometer von Budapest weiter nach Westen vorgerückt, womit sie dem Gegner vollends die Möglichkeit genommen hatten, seinen eingekreisten Truppen zu Hilfe zu kommen.

So waren die in Budapest von einem dichten Ring sowjetischer Truppen eingekreisten deutschen Divisionen und die ungarischen Einheiten, die ihre Waffen noch nicht niedergelegt hatten, von der völligen Vernichtung bedroht. Das sowjetische Oberkommando ließ sich daraufhin von humanen Überlegungen und den internationalen Regeln und Bräuchen der Kriegsführung leiten und entsandte am 29. Dezember 1944 Parlamentäre mit folgendem Ultimatum an die Kommandeure und das gesamte Offizierscorps der im Raum Budapest eingekreisten Truppen des Gegners:

„Am 25. Dezember sind Truppen der 3. Ukrainischen Front zur Donau vorgerückt, haben die Stadt Esterg eingenommen und sich mit den in diesem Gebiet am anderen Ufer der Donau aktiven Truppen der 2. Ukrainischen Front vereinigt, so dass die sich im Raum Budapest befindlichen ungarischen und deutschen Einheiten völlig eingekreist wurden. Zugleich setzt die Rote Armee ihre Angriffe in der Tschechoslowakei fort und beendet die völlige Säuberung Ungarns von den deutschen Truppen. Im Westen geht dem von den Hitleristen so angepriesenen deutschen Angriff die Luft aus; er kann am Gang des Krieges nichts mehr ändern.

Tatkräftige Hilfe können Sie von nirgends erwarten. Die Lage der unter Ihrem Kommando im Raum Budapest angehäuften Reste der in Ungarn zerschlagenen deutschen Truppen und der weiterkämpfenden ungarischen Einheiten ist hoffnungslos. Alle Rückzugswege sind abgeschnitten. Unsere vielfache Überlegenheit an Zahl und Bewaffnung ist eindeutig. Sie als Kommandeur und alle Offiziere der eingekreisten Truppen wissen nur zu gut, dass weiterer Widerstand keinen Sinn macht und nur zur Vernichtung Ihrer Truppen, zu vielen Opfern unter der friedlichen Bevölkerung und zur Zerstörung der ungarischen Hauptstadt Budapest führen wird.

Um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden und Budapest mit seinen historischen Werten, den Kulturdenkmälern und der Bevölkerung vor dem Untergang zu retten, schlagen wir Ihnen die Annahme von folgenden Kapitulationsbedingungen vor:
1. Alle von Ihnen und ihrem Offiziersstab geführten eingekreisten deutschen und ungarischen Truppen stellen sofort die Kampfhandlungen ein.
2. Sie übergeben uns die gesamten Mannschaften, alle Waffen und Munition, Verkehrsmittel und Technik in unbeschädigtem Zustand.
3. Wir garantieren allen Generälen, Offizieren und Soldaten, die den Widerstand aufgeben, Leben und Sicherheit, den Deutschen die Heimkehr nach dem Krieg nach Deutschland oder auf Wunsch des Kriegsgefangenen in ein beliebiges anderes Land; die sich der Roten Armee ergebenden Ungarn werden nach Registrierung und Verhör nach Hause entlassen.
4. Alle Mannschaften der sich ergebenden Einheiten behalten Uniform, Rangabzeichen, Orden, Privatbesitz und Wertsachen; die Offiziere behalten darüber hinaus ihre blanken Waffen.
5. Alle Verletzten und Kranken erhalten medizinische Hilfe.
6. Alle sich ergebenden Generäle, Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten erhalten sofortige Verpflegung.

Ihre Antwort wird erwartet:
AM RECHTEN DONAU-UFER am 30. Dezember 1944 um 12 Uhr Moskauer Zeit in schriftlicher Form, übergeben von Ihren Vertretern, die mit einem Automobil mit weißer Fahne auf der Straße von Buda nach Erd fahren sollen. Ihre Vertreter werden von einem bevollmächtigten russischen Offizier im Raum der vordersten russischen Positionen südlich von Buda am 30. Dezember um 12 Uhr Moskauer Zeit in Empfang genommen.

AM LINKEN DONAU-UFER am 30. Dezember 1944 um 12 Uhr Moskauer Zeit in schriftlicher Form, übergeben von Ihren Vertretern, die mit einem Automobil mit weißer Fahne auf der Straße von Budapest nach Vecesc fahren sollen. Ihre Vertreter werden von einem bevollmächtigten russischen Offizier im Raum der vordersten russischen Positionen an dieser Straße am 30. Dezember um 12 Uhr Moskauer Zeit in Empfang genommen.. Wenn Sie den Vorschlag zur Niederlegung der Waffen zurückweisen sollten, beginnen die Truppen der Roten Armee und der Luftflotte mit der Vernichtung Ihrer eingekreisten Truppen; die gesamte Verantwortung dafür sowie für alle Zerstörungen in Budapest und den Tod seiner Bewohner liegt dann bei Ihnen.
Der Oberkommandierende
der 3. Ukrain. Front
Marschall der Sowjetunion
TOLBUCHIN

Der Oberkommandierende
der 2. Ukrain. Front
Marschall der Sowjetunion
MALINOWSKI“

In der ganzen Nacht vom 28. auf den 29. Dezember und am Morgen des 29. Dezember sendeten starke sowjetische Lautsprecherstationen von der vordersten Frontlinie an die Führung und die Truppen des im Raum Budapest eingekreisten Gegners ununterbrochen die Mitteilung über die Entsendung von sowjetischen Parlamentären zur Übergabe des Ultimatums sowie über die Zeit und die Route der Parlamentäre zu den deutschen Stellungen. Die Rote Armee hatte das Feuer entlang des Marschweges der Parlamentäre völlig eingestellt.

Am 29. Dezember um 11 Uhr machte sich ein sowjetischer Offizier in einem Automobil mit einer großen weißen Fahne von einem am linken Donau-Ufer gelegenen Abschnitt auf den Weg zu den deutschen Stellungen. Als sich der Parlamentär den feindlichen vordersten Positionen näherte, wurde er ungeachtet der klar ersichtlichen weißen Fahne und der Absichten des sowjetischen Offiziers mit starkem Gewehr- und MG-Feuer beschossen und getötet.

Zur selben Zeit überschritt ein zweiter sowjetischer Offizier, der mit einem Dolmetscher von einem Abschnitt am rechten Donau-Ufer kam, mit einer großen weißen Fahne die Frontlinie an einer Weggabelung. Von hier wurde der Offizier zum Stab der deutschen Truppen gebracht, wo die deutsche Führung ihm ihre Weigerung mitteilte, auf das Ultimatum einzugehen und irgendwelche Verhandlungen zu führen. Auf dem Rückweg eröffneten die Deutschen das Feuer und erschossen den Parlamentär von hinten; der ihn begleitende Dolmetscher blieb nur durch einen glücklichen Zufall am Leben.

So sehen die Tatsachen der vorsätzlichen und ungeheuerlichen Tötung von sowjetischen Parlamentären im Raum Budapest aus. Die Geschichte der modernen Kriege kennt keine Verbrechen dieser Art. Seit unvordenklichen Zeiten genießen Parlamentäre Immunität. Dieses Recht ist Tradition. Es wurde 1907 in der Haager Konvention zur allgemeinen Landkriegsordnung festgelegt. Die hitlerschen Ungeheuer haben der Welt ein weiteres Mal gezeigt, dass für sie Gesetze keine Gültigkeit haben. Sie treten alle Konventionen und Verträge frech mit den Füßen, die Deutschland selbst unterzeichnet hat.

Sie begannen den Krieg mit einem treubrüchigen Überfall auf die UdSSR, sie führten ihn wie Barbaren und Menschenfresser und beenden ihn als schändliche und feige Mörder, die nichts mehr zu verlieren haben. Indem sie die sowjetischen Parlamentäre tötete, handelt die hitlersche Führung nach dem Prinzip: „Nach uns die Sintflut“. Die Deutschen wollen die Millionen Menschen zählende Bevölkerung von Budapest mit sich in den Abgrund ziehen. Was bedeutet ihnen schon die ungarische Hauptstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten und Kulturgütern?

Mit Hilfe einer schändlichen Provokation und von treubrüchigen Morden wollen die Hitleristen ihre Existenz verlängern. Aber durch die Zurückweisung des Ultimatums der sowjetischen Führung und den abscheulichen Mord an den sowjetischen Parlamentären retten die faschistischen Scheusale ihr Fell nur kurz. Die Rote Armee wird den Feind zerschlagen und vernichten, wie immer er sich auch wehren wird.

Selbstverständlich liegt die ganze Verantwortung für die Opfer unter der friedlichen Bevölkerung und die Zerstörung der Stadt Budapest bei der hitlerschen Clique von Henkern und Mördern.



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